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Ghosting 101 – wohin verschwinden sie? Und warum?

Myriam Braiki

Etwas zu beenden, ist immer schwer. Am schlimmsten ist es aber auf jeden Fall, wenn jemand ohne Warnung verschwindet.   Keine Nachricht, kein Anruf - als hätte man sich nie gekannt. Ist dir schon mal passiert? Man nennt das, jemanden zu ghosten. Die Sexologin Myriam Braiki erklärt alles zum Thema Ghosting, warum jemand so handelt, was hinter dem Verhalten steckt und wie man damit umgeht, wenn einem so etwas widerfährt. Notizhefte raus!

Ghosting, auch bekannt als die Kunst, jemanden ohne Erklärung zu verlassen oder spurlos aus dessen Leben zu verschwinden. Im Zeitalter der sozialen Medien und Dating-Apps (Sieht aus, als wärst du hier richtig!) ist Ghosting wahrscheinlich das, wovor wir uns am meisten fürchten.

In diesem Artikel erzähle ich dir alles zum Thema, denn auch wenn die meisten von uns wissen, worum es geht, gibt es Menschen die nicht wissen, worum es sich dabei handelt - und wir wollen lieber auf Nummer sicher gehen.

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Zunächst einmal: Was ist "Ghosting"? 

"Ghosting" ist selbsterklärend und kommt von dem Wort “Ghost” also Geist. Man meint damit, sich tot zu stellen, ein Geist zu werden, zu verschwinden. Und die Popularität dieses Phänomens hat in den letzten Jahren zugenommen.

Neue Technologien verändern die Art und Weise, wie wir handeln, uns verhalten und reagieren.

Unsere Konsumgesellschaft verstärkt das Verhalten "Ich will es, ich nehme es und werfe es weg".  

Eine Beziehung zu einem Menschen wird zu einer Beziehung zu einem Objekt. Mit nur einem Klick kann ich mich mit jemandem verbinden, und mit dem nächsten verlasse ich ihn wieder. Es ist so einfach, ein Klick genügt!

Ghosting ist ein modischer Begriff, der Anfang der 2000er Jahre in populären amerikanischen Zeitschriften auftauchte und meist verwendet wurde, um diese recht brutale - fast gewaltsame - Art des Abschieds von jemandem zu beschreiben.  

Wir verwenden dieses Wort oft, als Beschreibung für romantische Beziehungen, aber es gilt auch für Freundschaften, Familie und berufliche Beziehungen. Es ist in jeder Dynamik denkbar.

Im Grunde genommen bedeutet Ghosting also, unsichtbar zu werden und sich bei der anderen Person nicht mehr zu melden, um eine Trennung im wirklichen Leben oder weitere Kommunikation zu vermeiden. Ein ziemlich hässliches Verhalten, und nicht sehr mutig. 

Wie kommt es dazu? 

Zwei Menschen fangen an, miteinander zu reden, sie haben eine ziemlich schöne und befriedigende Verbindung und plötzlich ... nichts. Stille. Von etwas zu nichts ohne jede Erklärung.Diese plötzliche Abwesenheit ist schwer zu verstehen, vor allem, wenn man es nicht kommen sieht...

Man fühlt eine große Leere und hat unbeantwortete Fragen! Die andere Person gibt kein Lebenszeichen von sich, kein einziges Wort - auch wenn vorher alles in Ordnung schien. Du bist jetzt allein mit ihrer Abwesenheit. Und du hast kein Mitspracherecht. Eine brutale und erzwungene Trennung. Ein Verlust, der keinen Sinn macht. 

Warum ghosten Leute?  

Es ist schwer zu sagen, warum Menschen ghosten. Es gibt viele mögliche Gründe, warum sie es tun. Hier sind einige der häufigsten: 

Die Notwendigkeit zu verschwinden 

In toxischen Liebesbeziehungen kann Ghosting die einzige Lösung sein. Vor allem, wenn es sich um eine Beziehung mit einem psychisch oder physisch missbrauchenden Partner handelt. 

Angst jemanden zu verletzen 

Einige verschwinden, um ihren Partner nicht zu verletzen. Für manche kann es sehr schwer sein, eine Erklärung abzugeben oder mit jemandem zu kommunizieren, mit dem sie zusammen waren. Beim Ghosting muss man sich nicht mit dem Ende der Beziehung auseinandersetzen, sich der anderen Person und ihren Gefühlen stellen, sich erklären oder seine Entscheidung rechtfertigen. 

Fehlender Mut 

Das Verschwinden kann auch der einfache Ausweg sein - man kann einem schwierigen Gespräch im wirklichen Leben oder im Chat aus dem Weg gehen und muss sich nicht rechtfertigen. Das kommt von der Feigheit und dem Egoismus des Ghostenden. 

Angst vor Verpflichtungen 

Die Angst vor Verpflichtungen kann eine weitere Erklärung dafür sein, warum Menschen sich trennen. Manchmal steht am Anfang einer Beziehung eine starke Angst. Die Person ist einfach noch nicht bereit, und anstatt zu sagen, wie es ist, verschwindet sie. Vielleicht verstehen sie den Grund dafür nicht einmal selbst.

Ok... Nachdem wir nun die verschiedenen Gründe gesehen haben, die jemanden zum Ghosting veranlassen, werde ich versuchen, die verschiedenen Persönlichkeiten derer zu beschreiben, die zum Ghosting neigen und derer, die geghostet werden. 

Wer sind die, die ghosten? 

Die Narzissten

Sie möchten bis zum Ende der Beziehung die Kontrolle über die gesamte Beziehung, über ihr Image und ihren Einfluss auf die andere Person haben.

Die Verführer 

Sie wollen nicht nur mit einer Person gleichzeitig Zeit verbringen, also verschwinden sie und stellen sich tot. Sie wollen sich nicht binden, und diese Menschen können als Konsumenten von Liebe und Beziehungen bezeichnet werden.

Diejenigen, die aufgeben

Sie haben Angst davor, verlassen zu werden, also gehen sie selbst, bevor sie verlassen werden können. So behalten sie Kontrolle über die Situation, aber nicht um den anderen zu zerstören wie bei Narzissten, sondern um zu versuchen, ihre lähmenden Ängste zu bewältigen. Da sie die Kontrolle über ihre Beziehungen behalten, haben sie die Illusion, dass sie ihre Ängste in den Griff bekommen: "Um nicht eines Tages verlassen zu werden will, bin ich besser derjenige, der geht."

Die Unabhängigen

Diese Menschen tun alles, was sie können, um eine Beziehung zu vermeiden oder nie eine zu haben. Sobald sie eine Verbindung mit jemandem haben, fühlen sie sich erdrückt. Eine gesunde Beziehung kann sie ängstlich machen, so dass sie schnell nach einer Strategie suchen werden, um sie zu verlassen. Die Einsamkeit ist für sie die einzige Möglichkeit, nicht zu leiden. Oder zumindest die einzige Möglichkeit, sich nicht abhängig zu fühlen. Ihr Motto könnte lauten: "Lieber allein sein, als eine Beziehung zu riskieren". 

Anhand dieser Beschreibungen kannst du erkennen, dass Ghosting nicht nur von Menschen mit schlechten Absichten betrieben wird, die feige von einer Person zur anderen gehen - es gibt auch andere Gründe. Es gibt Menschen, die mit guten Absichten ghosten - sie sind einfach in ihrem emotionalen Trauma und Gepäck gefangen. 

Sehen wir uns nun einige Typen von Menschen an, die geghostet werden (oder zumindest solche, die ich durch meine Arbeit kennengelernt habe)

Zuallererst möchte ich anmerken, dass wir in einer Gesellschaft der vergänglichen Dinge und des Konsums leben, so dass jeder über Nacht geghostet und verlassen werden kann - ohne Ausnahmen!

Wenn ich jedoch die Menschen beobachte, die zu mir in die Beratung kommen, stelle ich fest, dass es sich bei denjenigen, die geghostet werden, meist um Menschen handelt, die unter emotionaler Abhängigkeit leiden, ein geringes Selbstwertgefühl haben oder denen es an Selbstliebe fehlt. Das sind Menschen, die in ihrer Vergangenheit (in der Kindheit oder als Teenager) oft Situationen des Verlassenseins durchlebt haben. Daher ist es für sie schrecklich, wenn sie gehostet werden, da diese Situation die alten, ursprünglichen Gefühle des Verlassenseins wieder aufleben lässt.

Menschen, die unter emotionaler Abhängigkeit leiden, haben ein schlechtes Bild von sich selbst und suchen sich oft unbewusst Partner aus, die schlecht für sie sind. Sie wählen Partner, die sie ihre traumatische Vergangenheit wieder durchleben lassen und sie immer wiederholen.

Weil sie sich selbst nicht lieben, sind sie in ihrem Leiden an einschränkenden Glaubenssätzen über sich selbst, das Leben und die Liebe gefangen. Sie ziehen oft Personen an, die sie entweder misshandeln oder verlassen oder beides. Die verlassene Person durchlebt Trauer. Und dann wird es kompliziert für sie, denn zu trauern, ohne einen Abschluss zu haben oder in der Lage zu sein, dem Ende der Geschichte einen Sinn zu geben, ist sehr schmerzhaft.

Was sind die Konsequenzen für diejenigen, die geghostet werden? 

Das Verschwinden eines geliebten Menschen, egal ob es sich um einen Liebhaber oder einen Freund handelt, ist sehr brutal. Es ist völlig normal, nach einem Ghosting unter starkem Trennungsschmerz zu leiden, und es kann zu einem Verlust von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, aber auch von Vertrauen in andere Menschen führen. Die geghostete Person fühlt sich oft zurückgewiesen und verlassen. Das Schlimme am Ghosting ist, dass es sich nicht um eine Trennung handelt, sondern um ein Verschwinden - dem Fehlen einer Trennung. 

In der Tat ist es das Ausbleiben einer Antwort, das unerträglich ist, und nicht das Ende der Beziehung. Eine der Folgen von Ghosting ist das ständige Hinterfragen, bei dem sich die geghostete Person immer wieder fragt, ob sie etwas falsch gemacht hat. Und das ist völlig normal, denn sie hat ja keine Erklärung für die Trennung bekommen. 

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Ich glaube fest daran, dass Ghosting schlimmer ist als Beleidigungen, Verachtung und potenziell verletzende Erklärungen. Das Verschwinden wird meist als die schlimmste Form des Verlassenwerdens erlebt. Und ohne Erklärung verlassen zu werden, lässt keine normale, gesunde Trauer zu. 

Abschließend möchte ich sagen, dass du, wenn du Opfer dieses Verhaltens geworden bist und darunter leidest, einen Termin mit einem Fachmann vereinbaren solltest, sei es mit einem Liebescoach, einem Psychologen oder einem Paartherapeuten.

So kannst du abschließen und verstehen, was mit dir passiert, und auch an dir selbst arbeiten, wenn du das brauchst. Ich wünsche dir Kraft und Mut!

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